Hallo verehrter Besucher. Auf dieser kleinen Seite finden sie Informationen zu Lesungen, Hörspielen und Features.
Das Sammeln dieser ist eine kleine Leidenschaft von mir. Alle Titel, die sie hier finden, sind in meinem Fundus.
Diese Seite betreibe ich zu meinem eigenen Vergnügen und damit ich den Überblick über meine Sammlung behalte.
Hier auf der Startseite werden jeden Tag neue, zufällig ausgewählte Stücke angezeigt.
Ich hoffe, dass sie dadurch ein wenig auf den Geschmack kommen. Denn das Hören dieser Geschichten macht wirklich viel
Spaß.
Also, viel Spaß beim Stöbern, ihr Rüdiger Sack.
Dickicht. AnpassungEine verstörte Stimme, männlich und weiblich, meldet sich in dieser als innerer Monolog oder imaginiertes Zwiegespräch gestalteten Rede zu Wort: Der Kopf als "telepathischer Bunker" bildet das Zentrum des als bettlägerig und pflegebedürftig skizzierten erzählerischen Ichs, bei zunehmendem Ausfall des Körpers und seiner Funktionen. Der Adressat: "vielleicht ein Gehörloser, vorausgesetzt, er ist blind." Die resümierende Maxime aus dem "Strategiepapier" dieses Ichs lautet: "Sieh zu, dass du nicht zurecht kommst."Der bei dem Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1996 mit dem "Preis des Landes Kärnten" ausgezeichnete Text des Autors stellt sich in die Tradition von Kafka, Beckett und Thomas Bernhard zugleich. Als eine "Rede aus dem Kerker eines Kopfes" charakterisierte die Literaturkritikerin und Klagenfurter Jurorin Iris Radisch Jansens Text, der mit der "Geste einer logisch philosophischen Deduktion" (...) eine "Art Denken im Urzustand literarisch abbildet". Er führe vor, "dass es zu jedem Gedanken, den er probeweise antippt, auch schon immer einen Gegengedanken, eine Vernichtung dieses Hauptgedanken gegeben hat, und so hat der ganze Text für mich die Geste einer philosophischen Deduktion, die aber permanent abbricht, in einem Cut-up-Verfahren sich immer wieder selbst unterbricht und dann entweder im Nonsens, in einer Selbstparodie, oder einfach auch nur in diesen Schnitten endet." (Iris Radisch)Ich bin unterwegs zum Büro - ich bin unterwegs zu mir.1909 spricht der Edison-Phonograph mit der Stimme des Schauspielers Gustav Schönwald: "Ich, die Sprechmaschine". 1932 entdeckt der Hörspielautor Kasack das Büro als letzten Halt des Individuums, kurz bevor 1933 die Nazis in der "Symphonie der Arbeit" den Chor der Arbeitslosen in eine Kriegsmaschine verwandeln.Zu Beginn des 21. Jahrhunderts betrachtet sich der Mensch als Kostenfaktor in der Wertschöpfungskette. Als Humankapital hat er sich selbst aus seiner eigenen Geschichte outgesourct. Die Arbeitswelt hat sich verändert. In der Realität und im Hörspiel.Das Handbuch der InquisitorenJahrzehntelang befand er sich als einflussreicher Minister unter dem Diktator Salazar im Zentrum der Macht. Auf seinem Landgut herrschte der "Herr Doktor", wie er ehrfurchtsvoll genannt wurde, als allmächtiger Patron. Das weibliche Dienstpersonal musste ihm zu Willen sein, illegitime Kinder entband der Tierarzt, politische Gegner ließ er foltern oder liquidieren. Doch nun liegt der Patron zahnlos in einem schäbigen Altenheim. In diesem grandios komponierten Stimmenkanon, in dem die chronologische Zeit außer Kraft gesetzt ist, entsteht der Alptraum einer portugiesischen Vergangenheit, der immer noch gegenwärtig ist.Der KnotenEr wacht in der Intensivstation auf, mit Kathetern, Sonden, Kabeln, die Sinne vom Morphium vernebelt, bewegungslos, wie ein verkabelter Käfer, reduziert auf eine Funktion der medizinischen Apparatur. Er ist in Rio de Janeiro, im Hospital Sao Vicente. Auf den beiden Monitoren sieht er rechts sein Herz in Großaufnahme, links die Ferraris, Jordans und McLarens des Formel-1-Rennens; Barrichello kämpft gegen Schumacher. Das ist draußen, wo sich alles bewegt. Hier drinnen steht die Zeit, und unter Ausschluss der Öffentlichkeit kämpft er den existentiellsten aller Kämpfe. Immer wieder greift die Erinnerung nach ihm: Er sieht eine Frau, seine Mutter, die ihn mit leblosen Augen anschaut, den verwundeten Vater im Kessel von Stalingrad und den Abschiedsbrief seines Großvaters. Die Gespenster der Nacht bereiten sich auf ihren Angriff vor. Aber er will leben. Die Zeit wird sich wieder beschleunigen. In wenigen Stunden wird er den Bunker der Intensivstation verlassen und das Zimmer 214 beziehen. Er ballt die Faust: Er wird diesen Kampf gewinnen.Und ich erinnere mich an das MeerEine Stadt im Ausnahmezustand, irgendwo in Nordafrika. Menschen tauchen plötzlich auf, niemand weiß, woher. Nachts treffen sich die Leute vor ihren Häusern, geweckt von fremdartigen Geräuschen - man munkelt, sie kämen aus der unterirdischen Stadt.Überfälle der Spiroviren, Minotauren und Iriaceen verbreiten Terror, Mauern versperren plötzlich den Weg, und die Überlebenden kehren als Versteinerte zurück, unfähig, von dem Grauen zu erzählen. Ein Mann streicht Tag für Tag durch die Gassen der Kasbah und sucht nach Erklärungen.Dionysos DeutschlandGladbeck, Heldrungen und Erfurt. Tom Peuckert taucht mit seinem Hörspiel in deutsche Amoklandschaften ab. Ein philosophierendes, dramatisch aufgeladenes Statement über unsere Gesellschaft.In drei Episoden schildern Täter und Opfer ihre Eindrücke und Beweggründe. Der imaginierte wahnsinnige Sturzbach von Überlegungen, die zur Amoktat von Erfurt geführt haben mögen. Der doppelte Monolog des einsamen, nichts ahnenden Wanderers und des, sich für einen Auserwählten haltenden, Polizisten kurz vor dem Todesschuss. Der schmerzgetrübte Monolog einer Geisel, die quer durch Deutschland verschleppt wird: Die Paranoia der Gewalthandlung wird zerlegt in die Miniaturbruchstücke, aus denen sie sich zusammengeballt hat. Das Verfahren zwingt dem Hörer ein Verständnis ab, das nicht die Tat und nicht den Täter entlastet, sondern das eigene Bewusstsein in eine bedrohliche Affinität zu der motivierenden Befindlichkeit lockt.My private show"Krok" sitzt am liebsten vor dem Fernseher und schaut Kriegsberichte an. Er zappt sich durch die Programme, um möglichst viele abgerissene Gliedmaßen oder blutüberströmte Bombenopfer zu sehen. Jeder Auseinandersetzung entzieht er sich mit zynischer Verachtung - und wartet, bis die Schrecken des Krieges wieder im Reality-Format über seine Mattscheibe flimmern. Im Februar 2003, noch vor dem Angriff auf den Irak, erhielt Petschinka den Auftrag, ein Kriegstagebuch zu schreiben. Medienberichte und eigene Reflexionen über das Geschehen ließen Krok entstehen - eine fiktive Figur, die Stellung bezieht zu unserer ganz realen Medienwirklichkeit und die Gedanken aufwirft, die wir nicht zu denken wagen.Hector und die Geheimnisse der LiebeDiesmal bekommt Hector von eine mächtigen Konzern den Auftrag, der Unstetigkeit der Liebe durch "Liebespillen" auf die Sprünge zu helfen. In einer aufregenden Recherche und einer Versuchsreihe, an der auch Hector selbst teilnimmt, erfährt er alles über das Zusammenleben von Männern und Frauen. Könnte eine entsprechende Oxytocin-Dopamin-Rezeptur tatsächlich...Doch in letzter Minute besinnt sich Hector.KältezoneIn einem See südlich von Reykjavík entdeckt eine Hydrologin ein männliches Skelett, festgebunden an einem alten russischen Abhörsender. Der Schädel hat ein Loch und liegt vermutlich schon seit vierzig Jahren dort. Kommissar Erlendur forscht nach der Herkunft des Abhörsenders und geht allen ungeklärten Vermisstenanzeigen nach. Der Sender, so stellt sich heraus, gehörte der früheren isländischen DDR-Vertretung. Die Spur führt zurück in die Zeit des Kalten Krieges, in das Leipzig der Nachkriegsjahre und in eine Liebesgeschichte zwischen einer ungarischen Studentin und einem Isländer.Ich werde auf eure Gräber spucken"Ich werde auf eure Gräber spucken" entstand 1946 als Resultat einer Wette. Vian war überzeugt, den damals gefeierten amerikanischen Pulp-Fiction-Roman perfekt imitieren zu können. Er wählte ein Pseudonym (Vernon Sullivan), gab sich als Übersetzer des Werkes aus und gewann die Wette. Die Leser stürzten sich auf das Buch. Als Vians Streich aufflog, wurde er als "Lügner" beschimpft, das Buch verboten und Vian verurteilt. 1959 wurde es verfilmt. Vian, entsetzt über das Resultat, starb im Kino während der Filmabnahme an einem Herzinfarkt.UnterleutenManchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf Unterleuten irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick darauf wirft, ist bezaubert von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtige aus Berlin gerne kaufen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Kein Wunder, dass schon wenige Tage später im Dorf die Hölle los ist...NichtschwimmercaféDraußen tropft es unaufhörlich. Drinnen sitzen sieben Menschen im Trockenen. Wie viele Tage regnet es schon, wie lange wird es noch regnen? Keiner weiß es, und die Metereologen schweigen. Jeder ist mit sich und seinen Problemchen beschäftigt. Der Gast, dessen einziges Lebensziel der abendliche Gang ins Café ist, berichtet von Banalitäten des Alltags. Die Frau allein registriert die Unwirklichkeit eines Lebens, in dem alles Imitation ist. Das Ehepaar auf der Durchreise, überall mit last minute - Arrangements unterwegs, streitet über eine nicht wasserdichte Uhr. Ein Erdbeben lässt die Wände wackeln. Der Ehemann stürzt bei dem Versuch, seine akrobatischen Künste zu demonstrieren, von der Decke. Doch kein Ereignis kann die Gemüter wirklich erschüttern. Der Pianist klimpert auf dem Klavier, während das Wasser in den Raum eindringt und alle versuchen, sich zu retten. Fröhliche Farce auf eine Welt, in der nichts mehr ist, wie es war, sein sollte oder könnte.